Kolumne

Sterbebegleitung auf sechs Beinen

Sterbebegleitung auf sechs Beinen

Tiere unterstützen positiv den Alltag in Pflegeeinrichtungen

„So glücklich war ich noch nie“… sagt ein älterer Bewohner mit fortschreitender Demenz in einer Seniorenpflegeeinrichtung als er die Hündin ‚Kira‘ streichelt.

Jeany Sonneberger und Josef Wolfgarten mit ihren Begleithunden

„Die Frau oder der Mann mit dem Hund kommt da“, heißt es umgangssprachlich oft.
Tiergestützte Begleitung oder Tierbesuchsdienst sind die korrekten Begriffe für diese Besuche, die eine psychische, physische, mentale und soziale Unterstützung für alte, schwerkranke Menschen oder Patienten in ihrer letzten Lebensphase sind.

So funktioniert es: Ein in der Sterbebegleitung ausgebildete Ehrenamtler besitzt einen Hund. Mit dem Tier ist er/sie regelmäßig, meist einmal wöchentlich ambulant oder im Hospiz im Einsatz, wenn die zu begleitende Person einen Besuch mit Hund wünscht.

Selbstverständlich muss der Vierbeiner völlig aggressionslos und menschenfreundlich, gesund und haftpflichtversichert sein. Außerdem werden Mensch und Hund als Team speziell für diese Arbeit geschult. Auf eine eventuelle Überforderung des Tieres achtet der Begleiter während des Kontaktes und handelt in dessen Interesse, z.B. durch Beenden des Besuchs. Sein Unwohlsein würde der Hund durch Beschwichtigungssignale (Calming Signals) mitteilen.

Besonders erwähnenswert ist, dass das Tier dem Besuchten bedingungslose Annahme seiner Person zeigt, ohne Wenn und Aber. So löst der tierische Besucher oft ein Lächeln oder Lachen aus. Auch das Streicheln des Tierfells wirkt sich als sogenannter taktiler Reize physisch und psychisch positiv aus. Die Menschen fühlen die Weichheit des Fells oder dessen Struppigkeit, die kalte feuchte Hundeschnauze oder die ledernen Pfoten und werden vielleicht an schöne Momente erinnert.

Die Wirkungen eines Besuchs mit Hund oder Hündin bei einem kranken Menschen sind vielfältig. Wo eine Verständigung nur eingeschränkt möglich ist, finden Tiere einen Zugang (Türöffner). So entstehen stressfreie, ja positive Momente.

Neben der Freude über den Besuch an sich, können Erinnerungen geweckt werden und dadurch neue Gesprächsthemen entstehen. Der Kontakt zu den Hunden vermittelt Gefühle von Sicherheit, Wärme, Zärtlichkeit, Liebe und Zuneigung, aufgrund derer z.B. eine Verbesserung depressiver Verstimmungen erreicht werden kann.

Jeany Sonneberger und Josef Wolfgarten
Ehrenamtliche der Caritas Euskirchen


  • Diese Kolumne erscheint seit Anfang 2015 im Abstand von vier Wochen im Euskirchener Wochenspiegel. Wir danken der Redaktion für diese Möglichkeit, auf NEST e.V. aufmerksam zu machen.

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