Kolumne Trauer

Die Traurigkeit in Worte fassen

Die Traurigkeit in Worte fassen

Ein Beitrag von Christel Eppelt,
Koordinatorin ambulanter Hospizdienst der Caritas Euskirchen,
Dipl. Sozialpädagogin, Palliativ-Care-FAchkraft, Trauerbegleiterin

Die Hospizbewegung ist eine der wichtigsten Bürgerbewegungen Deutschlands. Der ambulante Hospizdienst der Caritas Euskirchen wurde vor 22 Jahren ins Leben gerufen. Zunächst sahen wir unsere Aufgabe darin, Mitmenschen in der letzten Lebensphase und deren Angehörige zu untstätzen. „Bleiben, wenn das Leben geht“, so könte man das Motiv in den Anfangsjahren beschreiben.

Inszwischen liegt das Augenmerk auch auf dem Bereich der Trrauerbegleitung. Hier gibt es einen großen Bedarf. Unsere Trauercafés in Euskirchen im „Café Insel“ der Caritas und im „Faircafé“ Zülpich, in Kooperation mit der Pfarrgemeinde, sind Angebote für Menschen, die einen Verlust erlitten haben. Menschen in Krisen erleben ihre Situation oft asl trostlos. „Endlichkeit“ ist eng verwandt mit „Sterblichkeit“. Zu erleben, wie etwas endet, kostet Kraft. Das Ende einer Beziehung tut weh und wir fühlen uns verletzt.

Sehr viele Trauernde machen die Erfahrung, dass das Umfeld bereits nach wenigen Wochen mit Unverständnis und Ungeduld reagiert und erwartet, man müsse „endlich loslassen“ und das sei ja „nicht gesund, so lange zu trauern“. Dies führt bei nicht wenigen Trauernden zu dem Gefühl, mit der Trauer allein gelassen zu werden. Sie haben das Gefühl, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, weil sie immer noch trauern. Zunächst aber braucht Trauer Zeit.

Jeder Mensch erlebt seine Trauer unterschiedlich. Manche trauern Jahre, manche beginnen erst nach Jahren des Schweigens zu traeurn. Sie fragen nach kompetenter Unterstützung, wollen aber gewiss kein Trostpflaster. Oft höre ich: „Trauercafé – das ist nichts für mich, da wird ja nur über Trauer gesprochen. Ich möchte nicht auch noch mit den Geschichten der anderen gelastet werden.“ Diese Einschätzung ändert sich meist nach dem ersten Besuch.

Unsere Trauercafés sind bewusst niederschwellige Angebote. Unsere Gäste können hier mit Menschen reden, die Ähnliches erleben und daher verstehen, wovon Sie sprechen. In einer so heftigen Lebenskrise kann es leichter sein, sich neutralen Personen zu öffnen. Es kann eine Erleichterung sein, die Angehörigen nicht immer mit der Geschichte des Verlustes zu belasten. Unsere Cafés werden vorbereitet und gestlatet von ausgebildeten ehrenamtlichen Trauerbegleitern und -begleiterinnen.

Sie bieten Raum, die Traurigkeit in Worte zu fassen uns sich an den verstorbenen Menschen zu erinnern. Neulich sagte mir eine Besucherin: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier so herzlich aufgenommen würde. Das hat richtig gut getan.“

Die Trauercafés bieten einen Anlaufpunkt für jeden, der in Trauer ist. Neben der Caritas bieten auch noch weitere Träger entsprechende Angebote. Ein Übersicht finden Sie unter www.nest-euskirchen.de


  • Diese Kolumne erscheint seit Anfang 2015 im Abstand von vier Wochen im Euskirchener Wochenspiegel. Wir danken der Redaktion für diese Möglichkeit, auf NEST e.V. aufmerksam zu machen.