Kolumne

Weihnachten mal anders

Weihnachten mal anders

Es ist die Woche vor Weihnachten. Die Prospekte erzählen uns, was wir alles Besonderes an diesen Tagen kochen könnten. Zeitungsbeilagen machen uns darauf aufmerksam, welche Geschenke wir bestimmt für unsere Liebsten noch brauchen. Auf den Weihnachtsmärkten sehen wir fröhliche Menschen an den Glühweinständen. Nachbarn erzählen, wen sie an den Feiertagen einladen oder zu wem sie fahren. Die Wohnung wird geputzt und geschmückt, damit man es sich gemütlich machen kann.

Alles scheint wunderbar, alle sind glücklich, alle freuen sich auf die Festtage. Wirklich Alle?

Wie schmerzhaft ist es gerade für diejenigen, die nicht so glücklich sind? Wer fragt nach denen, die im letzten Jahr einen lieben Menschen verloren haben und sich in diesen Wochen besonders einsam fühlen? Wer hat Verständnis für die garstige Antwort, weil der Kollege statt ins gemütliche Zuhause ins Krankenhaus oder Hospiz eilt? Wer erzählt schon, dass die Kinder nicht kommen, weil der Kontakt seit Jahren nicht so gut ist? Wer hört zu, wenn alte Leute auf dem Flur in der Seniorenan-
lage darüber klagen, dass sie wieder niemand zu sich nach Hause holt?

All diese Menschen kommen nicht in den Hochglanzprospekten oder sentimentalen Filmen zur Weihnachtszeit vor. Aber es gibt sie, manchmal direkt neben uns.

Immer mehr Menschen entziehen sich dieser Zeit. Die Preise für Reisen über Weihnachten und Silvester sind in den letzten Jahren explodiert, weil viele die Anonymität eines Hotels oder die Animation der Ferienanlage der häuslichen Tristesse vorziehen. Aber nicht jeder kann oder will so der Einsamkeit und Traurigkeit entgehen. Und was machen die anderen?

Es gibt Menschen, die sich gerade in diesen Tagen Zeit nehmen für die, die keine so fröhlichen Weihnachten oder glückliche Jahreswende feiern
werden. Weihnachtfeier für Alleinstehende oder die Silvesternacht in der Gemeinde sind Einladungen an alle, die etwas Wärme und Geborgenheit suchen.

Aber auch jeder von uns kann etwas tun. Dazu muss ich mich nur bewusst umschauen. Wer in meinem Umfeld ist in diesen Tagen bedrückt? Wen könnte ich mal anrufen, besuchen oder einladen? Manchmal muss ich eine Hürde überwinden, weil der andere mir nicht zur Last fallen will oder Angst hat, dass wir seine Traurigkeit oder Unruhe nicht aushalten. Aber es lohnt sich, Weihnachten oder Silvester
auch mal anders zu gestalten: einfacher, gemütlicher, gemeinsamer.

In diesem Sinn wünscht NEST e.V. allen Lesern
gesegnete Weihnachten und einen guten Jahreswechsel.

Ursula Koch-Traeger
NEST e.V.