Kolumne

Ertrunken im Baggersee

Ertrunken im Baggersee

Kann man Trauer vermeiden?
NEST e.V. spricht dazu
mit Matthias Wessel, Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG, Bezirk Kreis Euskirchen.


NEST: Jedes Jahr hören wir vor tragischen Badeunfällen. Am Wichtigsten ist sicherlich, dass man gelernt hat, sicher zu schwimmen. Reicht dazu das „Seepferdchen“?

DLRG: Mit dem Seepferdchen ist die Wassergewöhnung abgeschlossen. Das Seepferdchen zeigt, dass das Kind keine Angst mehr vor dem Wasser hat und die erste Schwimmtechnik erlernt hat. Ein sicherer Schwimmer ist erst, wer den guten alten „Freischwimmer“ (Jugendschwimmabzeichen in Bronze) geschafft hat.

NEST: Worauf achten die ehrenamtlichen Mitarbeiter der DLRG besonders, wenn sie an einem Schwimmstrand Aufsicht führen?

DLRG: Auf unsichere Schwimmer, Kinder mit Schwimmhilfen und bereits angetrunkene Badegäste. Überladene Schlauchboote gehören ebenso dazu, wie z.B. ungeschickte Windsurfer, die zwischen die Badegäste segeln.

NEST: Können sich die Eltern von kleinen Kindern getrost zurücklehnen, wenn die DLRG am
Strand Aufsicht führt?

DLRG: Auf keinen Fall. Die Retter können ihre Augen ja nicht überall gleichzeitig haben. Eltern gehen am besten gemeinsam mit ihren Kindern ins Wasser und bei Nichtschwimmern bleiben sie immer nur eine Armlänge entfernt bei Ihnen. Allerdings verlassen wir uns als Rettungsschwimmer nicht darauf und schenken einzelnen Kindern im Wasser besondere Aufmerksamkeit.

NEST: Ich vermute mal, dass man Alkohol vermeiden sollte, wenn man schwimmen will. Was
sind daneben die größten Gefahren an einem unbewachten Strand an einem See?

DLRG: Es hat meist einen guten Grund, warum das Baden an bestimmten Plätzen nicht erlaubt ist. In Flüssen ist die Strömung eine große Gefahr, an Staudämmen kann es im Bereich des Ablusses zu heftigem Sog kommen.
In Bagger
seen kann es an einigen Stellen plötzlich deutlich tiefer werden und man verliert den Boden unter den Füßen. An Stellen, die mit vielen Wasserplanzen bewachsen sind, besteht die Gefahr, dass man unter Wasser hängen bleibt.
Aber auch,
wenn kein Verbotsschild darauf hinweist, kann es gefährlich werden. Die Selbstüberschätzung ist die größte Gefahr.

NEST: Matthias, herzlichen Dank für Deine Antworten. Ich wünsche Dir und Deinen Mitarbeitenden, dass Euch und unseren Leserinnen und Lesern Schwimmunfälle erspart bleiben.

Die Fragen stellte Bernd Kehren, 2. Vorsitzender von NEST e.V. und selbst Rettungsschwimmer bei der DLRG.


  • Diese Kolumne erscheint seit Anfang 2015 im Abstand von vier Wochen im Euskirchener Wochenspiegel. Wir danken der Redaktion für diese Möglichkeit, auf NEST e.V. aufmerksam zu machen.