Kolumne Trauer

Trauer hat viele Gesichter

Trauer hat viele Gesichter

Wir alle kennen Trauer. Jeder von uns hat seine eigenen Bilder und Ideen. Daneben gibt es gesellschaftlich geprägte und akzeptierte Formen. Weinen, Verzweiflung und Sehnsucht gehören für viele Menschen dazu. Aus all dem entstehen schnell auch Urteile, was „richtig“ ist oder was „man tut“.
Aber Trauer hat viele Gesichter. Sie ist so individuell wie die einzelnen Menschen und sie verändert sich im Lauf eines Trauerprozesses.

Elisabeth Kübler-Ross beobachtete um 1960 bei Patienten und Angehörigen nach lebensbedrohlichen Diagnosen Phasen, die durchlaufen werden. Ein ähnliches Stufenmodell entwickelte die Schweizer Professorin Verena Kast für die Trauer.

Es sind nur Modelle, aber sie können helfen, die Situation Trauernder besser zu verstehen. Auch die hiesigen Ausbildungen zum Hospiz- und Trauerbegleiter bei Caritas und Diakonischem Werk greifen auf sie zurück, um Menschen für die Bedürfnisse von Schwerkranken und Angehörigen zu sensibilisieren.

Hier ein kurzer Abriss: Zuerst ist ein Mensch geschockt, wenn eine bedrohliche Diagnose oder gar ein plötzliche Todesnachricht ihn trifft. „Das kann nicht wahr sein, das ist ein Irrtum“ schreit alles in ihm. Oft wirkt der Mensch wie versteinert oder handelt automatisch. So bietet die Frau den Polizisten vielleicht Kaffee an. Das irritiert, wenn man sich nicht klar macht, dass die Person unter Schock steht.

Danach kommt oft eine Phase der Emotionen vielleicht sogar von Gefühlschaos. Da tauchen neben Trauer und Niedergeschlagenheit auch Angst, Wut, Schuldgefühle oder Erleichterung auf. Manche Hinterbliebenen trauen sich erst in der Trauergruppe, die ganze Palette der Gefühle zu schildern. Denn einige Emotionen sind ihnen unheimlich und scheinen nicht zur Trauer zu passen. In dieser Zeit sind verständnisvolle Begleiter, die nicht urteilen, eine große Hilfe.

Erinnern und Erzählen ist für die meisten Trauernden wichtig. Sie möchten immer wieder über die Ereignisse oder den Verstorbenen reden. Seine Jacke hängt immer noch im Flur, die Brille liegt am Küchentisch. Angehörige oder Freunde sehen das mit Sorge. Sie wollen beim Ausräumen helfen oder erwähnen den Namen nicht mehr, damit der Trauernde nicht weint. Dass sie damit ungewollt verletzen oder verärgern, kommt ihnen gar nicht in den Sinn.

Jeder muss seinen Weg durch die Trauer in seinem Tempo finden, aber es sollte keiner auf dem Weg alleine bleiben. Hierbei helfen auch Trauercafes oder Gesprächskreise.

Die aktuellen Angebote finden Sie unter www.nest-euskirchen.de und www.nest-euskirchen.de/Trauer/trauer.html

Ursula Koch-Traeger
(Vorsitzende NEST e.V.)