Kolumne Trauer

KID – Krieseninterventionsdienst Euskirchen

KID – Krieseninterventionsdienst Euskirchen

„Dürfen wir bitte herein kommen?“ Die Mitteilung der beiden Polizisten ist kurz und präzise. Wie durch einen Nebel hört Frau M., aber sie versteht noch nicht, was sie sagen: „Ihr Mann ist an der Unfallstelle verstorben.“

Die Polizisten sind so behutsam wie möglich, ihr Dienst ist erledigt. Aber wer bleibt bei Frau M., bis Freunde und Verwandte eintreffen?

Über die Leitstelle des Rettungsdienstes im Kreis Euskirchen wurden rechtzeitig zwei Mitglieder des DRK alarmiert. Sie gehören zum Kriseninterventionsdienst KID und treffen zusammen mit der Polizei ein.

Ein Dammbruch der Gefühle droht Frau M. wegzuspülen. Die beiden Mitarbeitenden des KID-Teams sind da. Sie halten den Schmerz mit aus und sind auf Schweigen ebenso eingestellt wie auf Wutgeschrei. Sie wissen, die große Welle der Gefühle wird auch wieder etwas abnehmen.

Nach einiger Zeit können sie gemeinsam mit Frau M. überlegen, wer ihr zur Seite stehen und wen sie anrufen kann. Sie kommen mit ihr ins Gespräch über ihren Mann, aber auch über die nächsten Schritte, die zu tun sein werden. Was könnte ihr im Trauerprozess gut tun? Wichtig ist für Frau M. auch die Information, dass Ihre Reaktionen nun ganz normal sind in einer außergewöhnlichen Situation. Die Mitglieder im KID-Team helfen, möglichst schnell wieder handlungsfähig zu werden. Das ist die beste Voraussetzung, um eine spätere sogenannte posttraumatische Belastungsstörung zu vermeiden.

Wunder kann das KID-Team nicht vollbringen. Aber es kann den Schmerz der Angehörigen mit aushalten, etwa nach Unfällen mit Todesfolge oder nach dem Suizid eines Angehörigen.

Das KID-Team besteht aus Ehrenamtlichen, einige sind Geistliche der unterschiedlichen Konfessionen, in der Mehrheit aber Interessierte aus unterschiedlichen Berufsfeldern, die sich für diese Krisensituationen intensiv schulen ließen. Die letzte Fortbildung im April galt trauernden Kindern und Jugendlichen.

Das KID-Team wird von der Polizei oder Rettungskräften über die Leitstelle im Kreis Euskirchen alarmiert, um Angehörige oder Beteiligte nach einem belastenden Ereignis zu betreuen. Wer beim KID-Team mitarbeiten möchte, muss mindestens 25 Jahre alt und psychisch belastbar sein und sollte längerfristig Zeit und Empathie zur Verfügung stellen können. Eine intensive Schulung geht den ersten Einsätzen voraus, regelmäßige Teamsitzungen im monatlichen Abstand folgen. Eine Aufgabe, die große Herausforderungen birgt und zugleich große Zufriedenheit mit dem eigenen Tun vermitteln kann.

Infos und Kontakt: www.kid-euskirchen.de, 02251-79 11 54


  • Diese Kolumne erscheint seit Anfang 2015 im Abstand von vier Wochen im Euskirchener Wochenspiegel. Wir danken der Redaktion für diese Möglichkeit, auf NEST e.V. aufmerksam zu machen.