Kolumne

Wer pflegt Opas Grab?

Wer pflegt Opas Grab?

Ein Beitrag von Ursula Koch-Traeger, Vorsitzende von NEST e. V.

 

Früher sah man in den Dörfern an warmen Tagen die Menschen abends mit der Gießkanne zum Friedhof gehen. Am Samstag wurde das Grab geharkt und der Stein geputzt. Wer heute über Friedhöfe geht, sieht selbst in den kleinen Orten viele ungeplegte Gräber und es liegen selbst jetzt teilweise noch die Gestecke von Allerheiligen oder Weihnachten darauf. Manchmal steht schon eine Hinweiskarte, dass sich die Angehörigen doch bitte beim Friedhofsamt melden sollen. Grabplege ist ein schwieriges Thema geworden.

Menschen versterben heute oft in sehr hohem Alter. Also ist auch der Partner meist schon betagt und möchte zwar einen Platz für seine Trauer, kann aber nicht die Grabplege für die Liegezeit von 20-30 Jahren leisten. Die Kinder selbst nicht mehr jung und Enkel/Urenkel sind durch die beruflich geforderte Mobilität weiter weg oder wissen nicht, wo sie in zehn Jahren leben werden.

Viele Menschen haben auch keinen Bezug mehr zu Friedhöfen und wollen sich auf keinen Fall verplichten, die Grabplege regelmäßig zu leisten. Dann bleibt nur der Ausweg eine Plege durch Friedhofsgärtnereien zu gewährleisten. Aber das ist nicht billig. Wenn nicht für die gesamte Liegezeit die Summe auf ein Treuhandkonto eingezahlt wurde, hat nach einigen Jahren keiner mehr Lust die jährlichen Rechnungen zu zahlen.

Es wird Zeit, dass sich andere Formen der Bestattung nicht nur in den großen Städten etablieren, sondern auch in der Eifel! Für Urnenbestattungen gibt es heute bereits eine größere Auswahl an plegefreien Möglichkeiten. Viele sind aber nicht gerade schön oder unsinnig.

Wer eine Urnenwand wählt, denkt meist nicht darüber nach, dass die Urne hier nur aufbewahrt wird. Was geschieht mit der Asche nach Ablauf der Ruhezeit? Haben Sie sich das gefragt?

Friedwald, Ruheforst oder Gotteswald sind eine naturverbundene, völlig plegefreie Variante. Aber
wie kommt man im Alter oder bei Schnee an den Baum, wenn man das Bedürfnis hat? Auch  darüber sollte man sich Gedanken machen.

Einige Gemeinden bieten auf ihren Friedhöfen plegefreie Möglichkeiten wie Baumbestattungen oder Urnenfelder mit historischen Grabmalen an. Das ist ein begrüßenswerter Ansatz.

Aber ich wünsche mir auch Themengärten, in denen man seine Angehörigen unter Rosen oder Lavendelfeldern bestatten lassen kann mit einer Bank, zu der man gerne mal geht.

Noch schwieriger wird es, wenn jemand, wie viele alte Menschen, eine Erdbestattung will. Da passen die meisten Friedhöfe in unserer Region, während im Ruhrgebiet auch solche Bestattungen mit einer Namenstafel und einem Abstellstreifen für Gestecke angeboten werden.

Die Frage „Wer plegt das Grab?“ sollte nicht mehr Familien in der Trauerphase beschäftigen. Sie sollten sich nur noch fragen „Welches Grab wünschen wir uns für Opa?“ Das ist eine wichtige Aufgabe im demographischen Wandel, für die sich NEST e.V. einsetzt.

Mit herzlichen Grüßen
von Ursula Koch-Traeger
(Vorsitzende NEST e.V.)


  • Diese Kolumne erscheint seit Anfang 2015 im Abstand von vier Wochen im Euskirchener Wochenspiegel. Wir danken der Redaktion für diese Möglichkeit, auf NEST e.V. aufmerksam zu machen.