Kolumne

Trauercafé auf dem Friedhof?!

Trauercafé auf dem Friedhof?!

Ja, schon seit einigen Jahren gibt es das ökumenische Café Paradies auf dem Euskirchener Friedhof!
Wir öffnen unser Café dort, wo trauernde Menschen ihre Verstorbenen besuchen und haben den Sonntagnachmittag gewählt, weil viele Trauernde sich sonntags besonders einsam fühlen. Wenn die Alltagsaufgaben entfallen und Ablenkungen fehlen, suchen sie dort Zuflucht.Jeden 1. Sonntag im Monat von 14:00 – 16:30 Uhr bieten wir in unserem Café Paradies vor oder in
der Friedhofskapelle die Möglichkeit, mit uns und untereinander ins Gespräch zu kommen.

Wir ermutigen die Trauernden zu erzählen, was sie bedrückt, und nehmen Anteil an ihrer Trauer. Eventuell weisen wir auf weiterführende Hilfen hin und gehen auf Wunsch gemeinsam zu den Gräbern.

Vor allen Dingen ist das Zuhören wichtig, denn manchmal haben Familienangehörige und Freunde nicht so viel Zeit für die einzelnen. Unterdrückte Trauer kann einen Menschen krank machen. Der Tod eines geliebten Menschen trifft uns sehr, verändert uns, schneidet tief ins Leben ein.

Auch wenn der Verlust schon Jahre zurückliegt, möchten Trauernde noch gerne über ihren Verstorbenen sprechen und ihm den Platz im Herzen und in den Erinnerungen sichern. Viele haben das Gefühl, in der Trauer stecken zu bleiben.
Eine Trauernde erzählte bei einem Besuch im Café: „Mein Mann ist schon zwei Jahre tot und ich
schaffe es nicht, von meiner Trauer wegzukommen. Ich habe das Gefühl, dass ich es überhaupt nicht schaffe. Ich kann nicht an Orte, wo ich mit ihm war und ich kann auch nicht seine Lieblingsmusik hören. Das macht mich einfach zu traurig.“

Menschen in den unterschiedlichsten Verlustsituationen sind im „Café Paradies“ mit ihren Gefühlen und Fragen jederzeit willkommen. Bei einer Tasse Kaffee lässt es sich gleich leichter reden.

Als engagierte Christen bieten wir jeweils Kurzandachten im Verabschiedungsraum an. Dort kann man gemeinsam beten, sich von Musik beruhigen lassen und in Stille an diejenigen denken, von denen man Abschied nehmen musste. Die Teilnehmer können in einem Gedenkbuch eigene Worte an den Verstorbenen richten oder Kinder malen darin ein Bild für die Oma.

Oft bedanken sich die Betroffenen am Ende dafür, dass wir ihre Sorgen und Klagen angehört haben, jetzt gehe es ihnen schon besser. Wenn die Besucher sich ein wenig getröstet und gestärkt fühlen, dann bestätigt das uns ehrenamtliche Mitarbeiter/innen in unserem Tun.

www.nest-euskirchen.de

 


  • Diese Kolumne erscheint seit Anfang 2015 im Abstand von vier Wochen im Euskirchener Wochenspiegel. Wir danken der Redaktion für diese Möglichkeit, auf NEST e.V. aufmerksam zu machen.