Kolumne

Trauer um das Haustier – Schaff´ Dir doch ´nen neuen an!

Schaff´ Dir doch ´nen neuen an!

Ein Beitrag von Ursula Koch-Traeger, Vorsitzende von NEST e. V. und Leiterin des Gesprächskreises „Der Trauer Raum geben“

Die Trauer um ein Haustier kann Gesprächspartner schnell entzweien. Während der eine um den Hund oder die Katze als geliebtes Familienmitglied trauert, hat der andere dafür kein Verständnis. Der gut gemeinte Vorschlag, sich einfach ein neues Tier anzuschaffen, wird als völlig unsensibel abgelehnt.

Haustiere haben bei uns immer mehr den Rang von Familienmitgliedern. Sie stillen das Bedürfnis nach Kommunikation, Nähe und Zuwendung. Sie sind der Ersatz für das nicht vorhandene Kind oder den Partner und Freund. Deshalb werden sie auch als Individuen betrauert und sind nicht einfach ersetzbar.

Ja, in den letzten Jahren gab es sogar Anfragen, ob man an dem Gesprächskreis für Trauernde auch bei Trauer um einen tierischen Begleiter teilnehmen kann. Diesem Wunsch habe ich bisher nicht entsprochen, da auch ich ablehnende Reaktionen der anderen Teilnehmer befürchte, die den Verlust von Partner oder Kind verarbeiten müssen. In der Gruppe taucht das Thema aber auch auf, denn es trifft den Hinterbliebenen sehr tief, wenn das gemeinsam angeschaffte Tier nach dem Tod des Partners irgendwann ebenfalls stirbt.

Schwierig ist für viele Tierbesitzer die Entscheidung, ob und wann man das Tier einschläfern soll. Oft plagen die Besitzer hinterher Schuldgefühle und die Unsicherheit: „War es der richtige Zeitpunkt oder hätten wir noch warten können?“

Gerade in der Situation ist es wie für alle Trauernden wichtig, gut Abschied zu nehmen. Das beginnt schon in der Zeit der Krankheit und erfordert eine einfühlsame Begleitung durch den Tierarzt bei der Entscheidung und Durchführung des Einschläferns.

Danach kann es helfen, dem vierbeinigen Freund einen guten Platz zu geben. Dabei unterstützen heute Tierbestatter wie z.B. in Euskirchen die Tierbestattung im Rosengarten. Das Tier wird in der Praxis oder zu Hause abgeholt und in ein Tierkrematorium gebracht. Später kann man die Urne zu Hause im Garten beisetzen oder die Asche an einem Lieblingsort verstreuen. Die liebevolle Begleitung hilft, den Verlust besser zu ertragen. Denn Menschen in Trauer um ein Tier brauchen Menschen, die sie ernst nehmen und trösten – bis dann vielleicht irgendwann die Zeit für einen neuen tierischen Begleiter reif ist.

Ihre
Ursula Koch-Traeger


  • Diese Kolumne erscheint seit Anfang 2015 im Abstand von vier Wochen im Euskirchener Wochenspiegel. Wir danken der Redaktion für diese Möglichkeit, auf NEST e.V. aufmerksam zu machen.