Kolumne

Spannende Gespräche

Spannende Gespräche

Im letzten Artikel wurde berichtet, warum Senioren- und Pflegeeinrichtungen mit einem Palliativkonzept ihre Bewohner im Sterben begleiten müssen.

Was bedeutet das aber für Angehörige? Wie stelle ich als um Mutter oder Vater besorgter  Mensch fest, wie das Haus diese Versorgung leisten kann?

Ob eine Einrichtung ein Konzept und Kooperationsverträge hat, überprüft der Medizinische Dienst der Krankenkasse. Aber wie heißt es so schön: „Papier ist geduldig.“ Darum muss man schauen: Wie wird das Konzept einer hospizlichen und palliativen Versorgung umgesetzt?

Damit bewegt man sich schnell in einem Spannungsfeld, bei dem von allen Seiten Fingerspitzengefühl nötig ist. Angehörige wollen für ihren geliebten Menschen natürlich die beste Pflege, die Pflegenden haben viel zu tun und deshalb weniger Zeit als gewünscht. Für den Bewohner ist es wichtig, zu einem guten Miteinander von An- /Zugehörigen und Pflegenden zu kommen. Dies geht am besten in sachlichen Gesprächen ohne Vorwürfe sondern mit gemeinsamer Suche nach Lösungen.

Auch innerhalb der Familie können sehr unterschiedliche Meinungen vorhanden sein, wie man den Sterbenden am besten versorgt. Da will der eine, dass eine Sonde für die Nahrung gelegt wird und der andere möchte, das nur Essen oder Getränke angeboten werden. Auch hier hilft ein konstruktives Gespräch über die ethischen Entscheidungen.
Mit den Kooperationspartnern wie Hospizdienst oder palliativ geschulten Ärzten kommen Personen von außen in die Einrichtung. Dies ist einerseits eine notwendige Entlastung. So können z.B. ausgebildete Ehrenamtler beim Bewohner sitzen, was für Pflegekräfte nicht leistbar ist. Aber Hinweise oder Vorschläge zur besseren palliativen Versorgung können andererseits auch als Einmischung erlebt werden.

In den Häusern wurde schon viel umgesetzt, so sind heute Verabschiedungen im Zimmer selbstverständlich. Schulungen in der palliativen Haltung und Ausbildung zur palliativen Pflegefachkraft laufen in vielen Einrichtungen. Aber gerade für die Versorgung dementer, schwerkranker und sterbender Menschen braucht man Zeit und gut geschultes Personal. Deshalb bitten wir: Unterstützen Sie die Euskirchener Erklärung zum Pflegenotstand und teilen sie in den sozialen Netzwerken. Den Link finden Sie auf der Seite vom Kreis Euskirchen.

Ihre
Christine Bötzelen
Schriftführerin NEST e.V.

(Euskirchener Wochenspiegel vom 15.02.2017)