Kolumne

O du fröhliche, o du …

O du fröhliche, o du …

Wieder ist die Zeit der Weihnachtsmärkte und weihnachtlichen Einkaufstouren da. Und überall ertönt Musik: mal leise und dezent im Hintergrund, mal laut und aufdringlich. Wir können den weihnachtlichen Melodien kaum entgehen, denn sie sind überall, im  Autoradio, im Supermarkt, auf dem Weg durch die Stadt, bei der Einladung zum weihnachtlichen Beisammensein oder der betrieblichen Weihnachtsfeier.

Was machen aber Menschen, denen es gar nicht fröhlich und weihnachtlich zumute ist?

Viele Trauernde oder Menschen, die mit schweren Problemen zurechtkommen müssen, leiden unter der Musikberieselung in dieser Zeit. Denn Musik geht direkt in unsere Gefühle genau wie der Duft frischer Brötchen. Bei Musik und Gerüchen fällt es uns viel schwerer über den Verstand zu reagieren. Oft erzählen Trauernde, dass sie bei Lieder im Radio plötzlich so weinen müssen, das es nur noch eins gibt: rechts ran fahren, warten bis der Weinkrampf vorbei ist und dann weiterfahren.

Wer in einer schweren Zeit lebt, wird dünnhäutiger. Hektik und Menschenmassen werden schnell zu viel und der Weihnachtstrubel ist nicht erfreulich sondern erdrückend. Aber auch gut gemeinte Wünsche können falsch verstanden werden. „Fröhliche Weihnachten“ klingt wie Hohn, wenn man alleine zu Hause hocken wird und unglücklich ist. Und ein „Schönes neues Jahr“ kann daran erinnern, dass man sich zurück sehnt nach guten Jahren, aber von dem kommenden Jahr noch nichts Gutes erwartet.

Deshalb braucht es gerade in dieser Zeit Menschen, die ein offenes Ohr, offene Arme oder ein offenes Haus haben für andere. Es werden Menschen gebraucht, die sich in aller Hektik Zeit nehmen für den, der nur einfach Ruhe braucht. Es ist schön, wenn es Menschen gibt, die neben der eigenen Freude auch die Tränen eines anderen in diesen Tagen ertragen können. Es ist wichtig, dass jemand fragt: „Was machst Du an Weihnachten, Silvester und Neujahr?“, damit niemand einfach übersehen wird und alleine bleiben muss.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen besinnliche oder fröhliche Weihnachten und ein gutes Jahr 2017

Ihre
Ursula Koch-Traeger
Vorsitzende NEST e.V.


  • Diese Kolumne erscheint seit Anfang 2015 im Abstand von vier Wochen im Euskirchener Wochenspiegel. Wir danken der Redaktion für diese Möglichkeit, auf NEST e.V. aufmerksam zu machen.

 

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