Kolumne Recht

Mach’s jetzt: Vorsorge treffen

Mach’s jetzt: Vorsorge treffen

Gehören Sie zu den Menschen, die Patientenverfügung, Vollmachten und Testament ordentlich abgeheftet haben? Ihre Angehörigen wissen selbstverständlich, wo sich alles befindet, weil Sie offen darüber sprechen?

Oder schießt Ihnen bei diesen Themen sofort durch den Kopf: „Oh je, ich sollte/ wollte auch…“.

Wie wichtig die persönliche Vorsorge ist, hat sich herum gesprochen. Vorträge über Patientenverfügung, Betreuungsvollmachten usw. sorgen meist dafür, dass man zusätzliche Stühle herbei schaffen muss.

Aber sich dann zu Hause wirklich hin zu setzen und die Dinge zu regeln, fällt vielen schwer. Immer noch ist da die Scheu, sich mit dem eigenen Sterben zu befassen. Wie oft hört man: „Die Vordrucke liegen schon lange da.“ Aber jetzt, wo im Krankenhaus danach gefragt wird, fehlt die Unterschrift von Vater oder Mutter.

Wir leben in dem Gefühl, dazu habe ich ja noch Zeit. Das mache ich demnächst. Aber muss man überhaupt so viel regeln? „Die Kinder erben ja eh alles“ oder „Mein Partner weiß doch, was ich möchte“ ist dann die beruhigende Ausrede.

Wie emotional Entscheidungen werden, zeigt sich, wenn z.B. nur noch palliativ behandelt werden soll. Oft gibt es schwierigen Auseinandersetzungen. Außerdem kommen in solchen Extremsituationen zwischen Angehörigen auch alte Konflikte gerne wieder ans Licht, nach dem System „Du warst doch immer…“

Wer keine Gespräche über das Lebensende führt, riskiert unangenehme Überraschungen und manchmal auch bitteren Streit. Da erfahren Kinder erst am Totenbett, dass die Eltern anonym bestattet werden, weil sie niemanden mit der Grabpflege belasten wollen. Aber die Kinder fühlen sich um den Ort zum Trauern betrogen. Wer miteinander redet, kann die verschiedenen Ansichten zumindest bedenken.

Der Information muss konkretes Tun folgen. Wer sich alleine nicht aufrafft, kann Unterstützung holen. Caritas, Diakonisches Werk, Hospiz- und Betreuungs vereine bieten neben Info-Veranstaltungen auch persönliche Hilfe an. Fragen Sie nach!

„Mach´s jetzt“ nennt sich die Workshop-Reihe von NEST e.V..  ormittags informieren Referenten in kleiner Runde über Themen. Nachmittags erarbeiten die Teilnehmer erste Schritte zur Umsetzung. Beim Bearbeiten von bereitgestellten Vordrucken oder eigenen Formulierungen helfen die Fachleute.

Der erste Workshop am 16. Mai 2015 im Seniorenzentrum Otterbach behandelt Fragen rund um Patientenverfügung und Vollmachten. Dr. Münschmeyer referiert die ärztlichen und Rechtsanwalt Jörg Fricke die rechtlichen Aspekte.

Weiteren Workshops zu Themen wie Bestattungsvorsorge, Erbrecht, Umgang bei Demenz und Pflegeverfügungen sind geplant. Infos und Anmeldung im Internet (unter) www.nest-euskirchen.de oder telefonisch 0800/9557744.

Ursula Koch-Traeger
(Vorsitzende NEST e.V.)