Kolumne

Krankensalbung ist keine letzte Ölung!

Krankensalbung ist keine letzte Ölung!

Die Krankensalbung ist eines der sieben Sakramente in der römisch-katholischen Kirche. Einem Kranken, der sich in einer kritischen Lebenssituation beindet, will sie die Nähe und den Beistand Gottes zusprechen.

Dieses Sakramentes wird vom Priester gespendet mit Handaulegung und Salbung der Stirn und der Hände mit Öl. Deshalb hat sich im Volksmund der Begriff „letzte Ölung“ eingebürgert. Viele Katholiken verstehen sie auch heute noch als reines Sterbesakrament.

Das 2. Vatikanische Konzil hat jedoch den Ritus und das Verständnis der Krankensalbung überarbeitet. Danach ist der Sinn, den Kranken zu stärken. Deshalb können Menschen dieses Sakrament empfangen, die sich durch Krankheit oder Altersschwäche in einem kritischen Gesundheitszustand beinden. Es kann nach einer angemessenen Zeit erneut empfangen werden, wenn sich der Kranke zwischenzeitlich wieder erholt hat.

Die Bibelstelle, die der Krankensalbung zugrunde liegt, inden wir im Jakobusbrief: „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ (Jak 5,14.15)

Betont wird hier neben Gebet und Salbung die Sündenvergebung. Deshalb kann die Krankensalbung in der katholischen Kirche nur durch einen Priester erfolgen.

Die Gemeinden bieten Gottesdienste mit Krankensalbung an. Allerdings wird bei der Begleitung von Patienten im Krankenhaus deutlich, dass vor allem in ernsthaft bedrohliche Krankheitssituationen oder vor einer schweren Operation Kranke oder ihre Angehörigen nach diesem Sakrament fragen.

Gerade in der Nähe des Sterbens wird ein Sakrament gebraucht, das die barmherzige Liebe Gottes angesichts des Todes zusagt und zum guten Übergang verhelfen will.

Manchmal wird auch eine „letzte Ölung“ für bereits Verstorbene angefragt. Dies ist nicht möglich. Die Verstorbenen können gesegnet und mit einem Gebet verabschiedet werden. Sakramente sind jedoch ausschließlich für lebende Menschen gedacht.

Ein Beitrag von Krankenhauspfarrer Michael Nolten


  • Diese Kolumne erscheint seit Anfang 2015 im Abstand von vier Wochen im Euskirchener Wochenspiegel. Wir danken der Redaktion für diese Möglichkeit, auf NEST e.V. aufmerksam zu machen.

 

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